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Montag, 6. September 2010, 02:38 Uhr
Die Bausparfinanzierung
Die Bausparfinanzierung genießt in weiten Bevölkerungsteilen eine große Popularität. Um die Gründe hierfür und auch die Funktionsweise besser zu verstehen, ist ein Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des Bausparwesens vor ca. 100 Jahren hilfreich.
Schon damals war der Erwerb von Wohneigentum so teuer, daß er nicht "so nebenbei" zu bezahlen war. Anders als heute war es dem Durchschnittsbürger jedoch nicht möglich, einfach zur Bank zu gehen und ein Darlehen aufzunehmen.
Aus diesem Grund haben sich damals Selbsthilfegruppen, die späteren Bausparkassen, mit dem Ziel gebildet, auch dem Durschnittsbürger zum Wohneigentum zu verhelfen. Das Grundprinzip war einfach und hat auch heute noch Gültigkeit. Ausgehend von der Überlegung, daß ein Wohnhaus z.B. 1.400 Mark gekostet hat und ein Bürger 100 Mark im Jahr sparen konnte, so hätte es 14 Jahre gedauert, bis der Bürger "sein Häuschen" zusammengespart hätte. Die Selbsthilfegruppen haben sich jetzt gesagt, daß, wenn sich 14 Immobilieninteressenten zusammentun, der erste schon nach einem Jahr sein Bauvorhaben verwirklichen kann. Der zweite dann nach dem zweiten Jahr, der dritte nach dem dritten Jahr usw. . Die durchschnittliche Wartezeit hätte sich mit sieben Jahren glatt halbiert und auch der letzte aus der Gemeinschaft hätte keine Nachteile. Auch ohne Bausparvertrag wäre er nicht früher an sein Ziel gekommen.
Weil natürlich jeder der Erste sein wollte, der in den Genuß der Bausparsumme kam, mußten sich die Bausparkassen ein gerechtes Bewertungssystem für die Zuteilung der angesparten Bausparmittel einfallen lassen. Wer der Bausparkasse seine Spargelder möglichst lange zur Verfügung gestellt, bekam dafür eine bestimmte Anzahl an Bewertungspunkten. Die Bausparer mit der höchsten Bewertungszahl waren dann zum nächsten Zuteilungstermin "dran".
Mittlerweile haben sich die Rahmenbedingungen deutlich geändert. Aus den Selbsthilfegruppen von Einst sind längst kommerzielle Großunternehmen mit Gewinnstreben geworden. Und natürlich kann sich der Durschnittsbürger die benötigten Darlehensmittel selbstservändlich auch bei Banken oder Versicherungen besorgen.
Die Bausparkassen begegnen diesem Wettbewerbsdruck mit einer Vielzahl von Tarifen und Kombinationsmodellen. Für jeden Typ "Bausparer" werden mehr oder weniger geeignete Angebote bereit gehalten. Am Grundprinzip "Sparen, Bewertungspunkte sammeln, Darlehen in Anspruch nehmen" hat sich jedoch bis heute nichts geändert.
Weil die Bürger heute anders als zur damaligen Zeit nicht Jahre auf die Zuteilung warten wollen, bieten die Bausparkassen sogenannte "Zwischen-" oder "Vorfinanzierungen" an. Bei genauer Betrachtung sind diese Zwischenlösungen meistens jedoch eher schlecht sitzende Krücken, die zu einer erheblichen Verteuerung führen können.
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